Picture by:Nathan Hulsey

Der Apfel vor dem Sündenfall

- Eindrücke von der ART COLOGNE ´19 –

Wer eine Kunstmesse beschreiben, ja bewerten will, wird sich zunächst der Kunst selbst, dann möglicherweise dem Rahmen, der Inszenierung, in der die Kunst dargeboten wird, widmen. Wer über die diesjährige ART COLOGNE resümieren will ,kann die umgekehrte Reihenfolge wählen. Denn keine der jüngeren Veranstaltungen bot sich so ansprechend inszeniert dar, wie die diesjährige. Ansprechend. Da sind zunächst die drei grossen Rekreationsflächen zu nennen, die dem müden Messebesucher Erholung boten. In angenehm-attraktiver Farbgebung gehalten, werden sie von Ausstellungskojen umgeben, deren Bildexponate den Raum mitgestalten und den Eindruck vermitteln, in einem grossen Kunstmuseum zu sein. Auch die generelle Schwarz-Weiss- Ausgestaltung von Wänden und Decken-schwarz die Decken, weiss die Wände der Kojen-, vermitteln einen aufgeräumten, sauberen Eindruck. Dabei trägt die Konzentration der Messe auf nur zwei Etagen zu grösserer Überschaubarkeit des Angebots bei und ist positiv zu werten. Allerdings ist die Unterteilung der Etagen in Modern, Post-war und Contemporary einerseits(Halle 11.1) und Contemporary Art andererseits(Halle 11.2) eher im Sinne der Bildung von Ausstellungsschwerpunkten zu verstehen und lässt künftig eine grössere Stringenz erhoffen.

DUnd was ist mit der Kunst selbst? Zunächst: Die Reduzierung der Anzahl der Aussteller auf 177 Galerien tut einem weiten Angebot an Kunst keinen Abbruch. Ihre Vielgestaltigkeit steht allerdings einer detailierten Aussage und Bewertung im Rahmen unseres Exkurses entgegen. Das gemalte Bild als Raumschmuck in normaler Grösse bildet das Schwergewicht der künstlerischen Darstellungen auf dieser Messe .Dabei mag man gewisse Trends erkennen. Etwa den, das Glas zum Gegenstand der künstlerischen Aussage selbst zu machen und nicht nur als Schutzschicht eines Bildes zu verwenden .Akrylglas, rückseitig bemalt, führt zu neuen, ungewohnten “sehenswerten“, bisweilen philosophischen Bildinhalten. Hier sei auf Claire Fontaine“ Werk “Evil/Good“ als verglaste LED beleuchtete Lichtbox aufmerksam gemacht. Bildlich anknüpfend an das allbekannte Firmenlogo des angebissenen Apfels, wird hier der heile, unbeschädigte Apfel ,also jener vor dem Sündenfall, in seiner natürlichen Schönheit, Unberührtheit, Vollkommenheit dargestellt, nichts anderes. Die Kunst heilt Wunden und führt zum Heil der Menschheit. Eine schöne philosophische Botschaft ,die allein schon den Besuch der ART COLOGNE rechtfertigt.

Herwig Nowak